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An des Denkens Grenze

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An des Denkens Grenze

div. Materialien auf Leinwand 120 x 160 cm

An des Denkens Grenze

Es sprach der Geist zu mir an meines Denkens Grenze, nach der Lektüre klügster Worte, als ich, der Ohnmacht nah und fast in Lähmung schon versunken, weil ich in jenem Feuer reinen Intellekts, der maßlos irrte und verzweifelt suchte, die Antwort sah, doch sie nicht geben konnte und Sprache sich verwehrte, weil nur des Geistbilds Kraft es sagen konnte, was da zu sagen war - , es sprach also der Geist zu mir in jenem Zustand an des Denkens Grenze:
"Höre und sieh! - Man kommt mit Denkens Raserei der Sache meistens auf den Kern, doch kaum geknackt, gespalten, folgt ein zweiter, ein dritter, vierter, ungezählte. Vom Himmel fallen pausenlos Probleme; gelöst das eine, ist ein neues da, oft größer noch und schwieriger zu lösen als das erste.
"Wie wahr! Wie wahr!" sprach ich, und er fuhr fort:
"Und währenddessen man sich müht und ringt und kämpft und leidet, springt der ersehnte und gesuchte Frosch an anderem Orte, und unbemerkt von allen Sinnen, durch den vom Denken hergestellten schönen, doch ach so leeren Rahmen in eine Richtung, die entgegensetzt."
"Mir klar", sprach ich und sah das Bild vor Augen. "Mir brauchst du das nicht sagen!"
Doch unbeirrt von meinem Einwand sprach er weiter, der Geist, ein Bild erzeugend mit jedem seiner Worte:
"Es ist das Tempo nicht, das Einsicht bringt, und nicht das Bohren. Nicht mal die Logik führt zum letzten Schluss. Zwar zieht kausale Folge große Kreise, doch führt sie nur an unseres Denkens Grenze, nicht über sie hinaus. Die falsche Basis kann nichts Wahres schaffen. Die Wirkung ist stets Knecht und nicht der Herr! Ich sage dir:
Unübertrefflich sind die Hirne, sind Apparate, wie komplizierter sie nicht denkbar sind, doch Antwort auf die letzte Frage können sie nicht geben. Es fehlt das Lächeln ihnen, das in die Seele dringt, das Staunen fehlt, Verwunderung per se, und auch die Demut ist nicht da, die aus der Einsicht wächst beim Weisen, dass nichts, was ist, auf seinem Mist gewachsen, so dass das Wort die Gültigkeit verliert, man sei vorhanden schon, nur weil man denke."
Ich nickte und verstand auch, was er sagte, denn deutlich sichtbar, scharf umrissen erstand ein Bild mir vor den Augen, jenseits der Grenze meines Denkens und der besagten Lähmung, hervorgerufen von zuviel Erkennen; doch er sprach weiter, unbeirrt:
"Siehst du den Mann im schwarzen Rock dort links im Bilde, in der polaren Zone kalten Denkens?"
Ich nickte wieder.
"Er bringt die Pinguine um, weil sie zwei Seiten haben.
'Entweder - oder' kann er nur noch denken. Nur um des Lorbeers willen tötet er, traumlos, mit kalten Augen, und kaut auf seinem Ruhme, nutzt ihn als Droge, um Träume zu erzeugen, die ihm fehlen und deren Bilder doch nur aus jenem wachen Schweigen steigen, das dem beruhigten Gemüt zu eigen, was von sich selbst zu lösen ist imstande, um dann von dort das Ganze zu umfassen und als sich selbst im Gegenteil zu finden."
"Du sprichst mir aus dem Herzen, aus der Seele, Geist!" gab ich zur Antwort, als er kurz mal schwieg, doch scheinbar nur, um neu und tief die Luft als Kraft zu schöpfen. Schon fuhr er fort:
"Fernab von allen Akrobaten und Tänzern auf dem Hochseil und den Turnern an Trapezen und gar den Messerschluckern, Feuerspuckern, Schlangenmenschen und was es sonst an Intellektuellen gibt, fernab auch von den frommen Schwestern, Brüdern, auch den Hexen, Teufeln und den bissigen Hunden, weit auch entfernt von Lust und Gier und Zorn, die allesamt aus irgendeinem Grunde bemüht sind, sich durch des Wortes Haltbarkeit in Ewigkeit zu setzen, indem sie Meinungen, nicht wahres Wissen, in feine Lettern prägen, sollst du - ja, du! (er sah mich an, und ich erschrak ob seines Blickes, der tief in meine Seele drang) - sollst du in Einsamkeit und auch in Ohnmacht sitzen und aus der Lähmung durch Unsagbarkeit erst Bilder und dann Worte schwitzen."
Ich fiel zu Boden, weinte, schrie und rief ihm zu:
"Du willst der Geist sein!? Du? - "
Und er gab lächelnd mir das Wort zurück:
"Ich bin Begnadung und das wahre Glück!
Ich bin die Freiheit tief im Unvermögen
und in der absoluten Ohnmacht Macht und Segen.
Ich bin der unerfüllten Sehnsucht tiefer Schmerz,
des Wahnsinns Willkür bin ich und das Feuerherz!
Ich bin die Reihung und die große Zahl,
die Freude bin ich und die Folterqual.
Ich bin Geburt, das Leben und der Tod,
bin du und nebenher - na wer?"
Ich dachte nach und fragte zögernd: "Gott?"

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